Kofferdam
Der Kofferdam ist postkartengroßes gummiähnliches Tuch, das über den zu behandelnden Zahn gestülpt wird. Nur das Arbeitsfeld des Zahnarztes schaut unter dem Tuch hervor und ist von der Mundhöhle abgeschottet, ähnlich wie das Operationsfeld eines Chirurgen. „Absolute Trockenlegung“ nennt dies der Fachmann im Gegensatz zur „relativen Trockenlegung“ durch Absaugtechnik.

Diese Idee ist nicht neu. Schon im Jahr 1864 stellte ein New Yorker Zahnmedizinstudent seinen selbst entwickelten Kofferdam, auch Spanngummi genannt, vor. 1943 wurde das Gummi durch Latex ersetzt und heute gibt es auch für Latexallergiker latexfreien Kofferdam. 
Der Name dieses Hilfsmittels leitet sich aus dem Englischen „coffer“ (wasserdichter Kasten) und „dam“ (Abdichtung)“.

„Zu kompliziert für den Praxisalltag“ meinten weltweit über einhundert Jahre die meisten Zahnärzte, obwohl einige wenige und besonders qualitätsorientierte Zahnärzte die Behandlung unter dem Spanngummi zu schätzen wussten. 
Doch die Zeiten sollten sich ändern: Einer der größten Fortschritte der modernen Zahnheilkunde in den letzten Jahren ist die Einführung der Klebetechnik. Damit können Kunststoffe direkt mit den Zähnen verklebt werden. Zum Einsatz kommen sie bei der minimalinvasiven Füllungstechnik und als Kleber für Keramikwerkstoffe zum Beispiel zur Befestigung von Keramikinlays. 
Jeder Heimwerker weiß, dass Klebestellen trocken sein müssen. So verhält es sich auch bei den Zähnen. Hier reicht schon manchmal der Atemdampf aus, dass Klebestellen von Anfang an undicht sind und im Laufe der kommenden Jahre die Verklebung sich vollständig löst und sich neue Karies unter der Füllung bildet. Kofferdam ist bei diesen Behandlungen Voraussetzung für den Langzeiterfolg.

Trotz aller Vorteile:
In Deutschland arbeiten nach aktuellen Schätzungen nur 5 – 10% aller Zahnärzte regelmäßig mit Kofferdam, obwohl dies oft den Einstieg in die qualitätsorienterte Zahnheilkunde bedeutet!

Auch bei Wurzelbehandlungen und beim Entfernen alter Amalgamfüllungen setzen wir den Kofferdam gerne ein. Das Absaugen im Mund wird überflüssig, denn unterhalb des Gummituches befindet sich nur der eigene Speichel des Patienten, den er getrost herunterschlucken kann.
Trotz des utopischen Aussehens mögen die meisten Patienten- von nur wenigen Ausnahmen abgesehen- die Behandlung mit Kofferdam.
„Es ist so, als würden Sie gar nicht in meinem Mund arbeiten“, meinen viele unserer Patienten.
Andere schätzen die Wahrung der Intimsphäre, weil sich zwischen Zahnarzt und Mundhöhle eine sicht- und fühlbare Barriere befindet. Sogar Kinder und Patienten mit Würgereizen schätzen diese Methode, weil kein lästiger Absauger stört.

Auch wir können uns besser auf das Eigentliche konzentrieren, denn die zu behandelnden Zähne sind nicht durch Speichel benetzt und die gesamte Behandlung gewinnt an Ruhe.